Rückblick

Nationale Demenzkonferenz 2022 in hybrider Form

Die zweite Nationale Demenzkonferenz fand am 28. April 2022 im Kongresszentrum Kreuz in Bern statt und wurde online live übertragen. In einem fast vollen Saal sowie im virtuellen Raum kamen über 500 Fachpersonen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Politik und weitere Interessierte zusammen, um zehn Fachbeiträgen zum Thema «Diagnostik und Früherkennung von Demenzerkrankungen» zu folgen.

Den Auftakt machte ein sehr persönlicher Erlebnisbericht eines jung betroffenen Ehepaars über seinen Weg zur und den Umgang mit der Diagnose Alzheimer. Darauf folgten acht wissenschaftliche Referate von Expertinnen und Experten aus den Disziplinen Medizin, Psychologie und Pflege. Sie gingen den Fragen nach, wie Demenzerkrankungen frühzeitig erkannt und diagnostiziert und wie Betroffene im Umgang mit den neuen Lebensumständen begleitet werden können.

Die letzten zwei Fachreferate thematisierten die neusten technologischen Fortschritte der Medizin zur frühzeitigen Erkennung von demenziellen Erkrankungen kurz nach oder bereits vor dem Auftreten erster Symptome sowie mögliche Zukunftsszenarien. Welche Chancen die Frühdiagnostik mit sich bringt, aber auch welche Bedenken damit einhergehen, wurden abschliessend in einer Podiumsdiskussion zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Medizin und der Ethik erörtert.

Wir bedanken uns herzlich bei den zahlreichen Teilnehmenden für das grosse Interesse sowie bei den Referentinnen und Referenten für die spannenden Präsentationen.

Fotos von der Konferenz

Fotograf: Peter Schneider

Testimonial

Kurzinterviews

Wir haben für Sie zwei Kurzinterviews mit Referentinnen und Referenten der Konferenz 2022 gemacht. Sie fassen für Sie die Hauptaussagen ihrer Beiträge an der Konferenz zusammen.

Vortrag: Diagnoseübermittlung und Begleitung der Betroffenen: Best clinical practices,
Dr. med. Irene Bopp, ehem. Leitende Ärztin, Universitäre Klinik für Akutgeriatrie im Stadtspital Waid (DE)

Vortrag: Demenzdiagnostik in der Hausarztpraxis: Möglichkeiten, Grenzen, Herausforderungen,
Dr. med. Sébastien Jotterand , Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Centre médical d’Aubonne (FR)

Berichte über die Konferenz

Abstract

Unterschiedliche Wahrnehmungen von Demenz im Migrationskontext: Herausforderungen und Chancen

Die Wahrnehmung von Demenz und von Demenzbetroffenen variiert je nach kulturellem, gesellschaftlichem und historischem Kontext und beeinflusst sowohl die Anerkennung als auch das Erleben der Erkrankung. In zahlreichen Weltregionen ist Demenz nach wie vor weitgehend unbekannt und wird aufgrund anderer Prioritäten und einer kürzeren Lebensdauer nicht als gesundheitliches Problem identifiziert. In der Schweiz stellt sich durch die älter werdende Bevölkerung, auch von immer mehr Menschen mit verschiedensten Migrationshintergründen, die Frage, wie es um einen gerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung, um Verständnis und Begleitung von Demenzbetroffenen bestellt ist. Der Vortrag gibt Einblick in unterschiedliche Wahrnehmungen von Demenz und thematisiert die Herausforderungen und Chancen, die sich in Hinblick auf Prävention, Begleitung und die Erbringung von Versorgungsleistungen ergeben.

Abstract

Wir fassen den aktuellen Erkenntnisstand über die sozialen Faktoren von Demenz und deren Behandlung aus einer Lebensverlaufsperspektive zusammen. Der Vortrag zeigt, wie soziale Ungleichheiten in Bezug auf Kindheit, Bildung, Lebensbedingungen, wirtschaftliche Ressourcen und berufliche Laufbahnen sowohl das Risiko für eine Demenzerkrankung als auch den Zugang zu und die Qualität von Gesundheitsversorgung beeinflussen. Wir reflektieren die Rolle des Gesundheitssystems und der nationalen Politik hinsichtlich der Verringerung von sozialen Ungleichheiten kritisch und zeigen Handlungsmöglichkeiten auf systemischer und gesellschaftlicher Ebene für mehr Chancengleichheit auf.

Abstract

Menschen mit Demenz (MmD) erleben ihre Krankheit nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit ihren individuellen, Lebensrealitäten, wie Geschlecht, soziale Lage, Bildung, sexuelle Orientierung, Migrationserfahrung, Vorerkrankungen (Multimorbidität), Behinderung. Diese Merkmale überlagern sich und beeinflussen wesentlich, wie (und ob) Menschen Zugang zu Unterstützung haben und/oder wie vorhandene Angebote in Anspruch genommen werden. Der Vortrag führt in diese komplexe, aber immer wichtiger werdende Thematik der «Intersektionalität» ein, klärt den Begriff und zeigt anhand aktueller Forschung und Praxisbeispielen, in welchen Situationen ein intersektionaler Ansatz dabei unterstützen kann, Versorgungsgerechtigkeit zu fördern und Diskriminierung abzubauen.