Thema

Demenz und Diversität – Vielfalt und Chancengleichheit

Für eine gerechte Versorgung in einer vielfältigen Gesellschaft

Demenz betrifft viele – aber nicht alle gleich. Menschen mit einer Demenzerkrankung bringen sehr unterschiedliche Lebensgeschichten, kulturelle Hintergründe, Lebensformen und soziale Bedingungen mit. Junge Erkrankte, Menschen mit Migrationsgeschichte, queere Personen, Menschen mit Behinderungen oder in prekären Lebenslagen stossen in der Versorgung und Begleitung häufig auf besondere Barrieren – struktureller, sprachlicher oder kultureller Art.

Die Nationale Demenzkonferenz 2026 stellt die Frage ins Zentrum, wie eine gerechte, inklusive und kultursensible Demenzversorgung für alle gelingen kann – unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht, Alter, Einkommen oder Lebensform. Sie lädt Fachpersonen, Forschende, Betroffene, Angehörige und politische Entscheidungstragende ein, gemeinsam zu reflektieren, wo bestehende Versorgungsmodelle an Grenzen stossen – und wie neue Wege der Zugänglichkeit, Teilhabe und Gerechtigkeit gestaltet werden können.

Im Fokus stehen praxisnahe und interdisziplinäre Perspektiven:

  • Wie lässt sich Versorgung chancengerecht gestalten – im Spital, in der Langzeitpflege, zu Hause oder in der Gemeinde?
  • Welche Rolle spielen Sprache, Kultur, Bildung, Geschlechtsidentität oder soziale Lage im Zugang zu Diagnose und Unterstützung?
  • Welche strukturellen Voraussetzungen braucht es, damit niemand durchs Raster fällt?

Mit dem Schwerpunktthema 2026 Demenz und Diversität schafft die Nationale Demenzkonferenz einen Raum des Dialogs und der Perspektivenvielfalt. Ziel ist es, gemeinsam zu einem besseren Verständnis von Inklusion, Gerechtigkeit und Menschlichkeit in der Demenzversorgung zu gelangen – und konkrete Impulse für Forschung, Praxis und Politik zu setzen.

Die Nationale Demenzkonferenz hat sich seit 2021 in der Schweizer Fachwelt als zweisprachige, zentrale Plattform für Austausch, Vernetzung und Orientierung online sowie vor Ort in Bern etabliert. Sie bringt Fachpersonen, Forschende, Entscheidungstragende sowie Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsfragen der Demenzversorgung zu diskutieren. Die Nationale Demenzkonferenz ist eine gemeinsame Veranstaltung von Alzheimer Schweiz und Public Health Schweiz.

Abstract

Sicherheit ohne Bevormundung: Teilhabe und Selbstbestimmung bei Demenz

Wir begleiten Menschen mit Demenz und ihre Nahestehenden im Spannungsfeld zwischen Schutzpflicht und Selbstbestimmung. Der Beitrag stellt einen klaren Handlungsrahmen vor, der geteilte oder unterstützte Entscheidungsfindung mit einem Stufenplan für Sicherheit im Alltag verbindet. Er zeigt, wie Fachpersonen Diversität, Gleichberechtigung und bedarfsgerechte Unterstützung konkret berücksichtigen können. Praxisnahe Beispiele verdeutlichen die Rolle von Fachpersonen als Ermöglichende, Koordinierende und Anwält:innen. Zudem wird das Potenzial von Caring Communities (kein Pflegeersatz) für Entlastung und passende Zugänge aufgezeigt.

Abstract

Demenz und Migration

Die Versorgung von Menschen mit Demenz und Migrationsgeschichte ist häufig durch sprachliche, strukturelle und kulturelle Barrieren geprägt. Mit fortschreitender Demenz verlieren viele Betroffene ihre Zweitsprache und kehren emotional zu ihrer Herkunftskultur zurück. Die Fallvignette einer Frau aus Bosnien zeigt, wie Musik, Rituale, Tradition und Muttersprache zu zentralen Ressourcen des Personseins werden und welche biografisch-kulturellen Bedürfnisse im Versorgungskontext sichtbar werden.

Abstract

Unterschiedliche Wahrnehmungen von Demenz im Migrationskontext: Herausforderungen und Chancen

Die Wahrnehmung von Demenz und von Demenzbetroffenen variiert je nach kulturellem, gesellschaftlichem und historischem Kontext und beeinflusst sowohl die Anerkennung als auch das Erleben der Erkrankung. In zahlreichen Weltregionen ist Demenz nach wie vor weitgehend unbekannt und wird aufgrund anderer Prioritäten und einer kürzeren Lebensdauer nicht als gesundheitliches Problem identifiziert. In der Schweiz stellt sich durch die älter werdende Bevölkerung, auch von immer mehr Menschen mit verschiedensten Migrationshintergründen, die Frage, wie es um einen gerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung, um Verständnis und Begleitung von Demenzbetroffenen bestellt ist. Der Vortrag gibt Einblick in unterschiedliche Wahrnehmungen von Demenz und thematisiert die Herausforderungen und Chancen, die sich in Hinblick auf Prävention, Begleitung und die Erbringung von Versorgungsleistungen ergeben.

Abstract

Wir fassen den aktuellen Erkenntnisstand über die sozialen Faktoren von Demenz und deren Behandlung aus einer Lebensverlaufsperspektive zusammen. Der Vortrag zeigt, wie soziale Ungleichheiten in Bezug auf Kindheit, Bildung, Lebensbedingungen, wirtschaftliche Ressourcen und berufliche Laufbahnen sowohl das Risiko für eine Demenzerkrankung als auch den Zugang zu und die Qualität von Gesundheitsversorgung beeinflussen. Wir reflektieren die Rolle des Gesundheitssystems und der nationalen Politik hinsichtlich der Verringerung von sozialen Ungleichheiten kritisch und zeigen Handlungsmöglichkeiten auf systemischer und gesellschaftlicher Ebene für mehr Chancengleichheit auf.

Abstract

Menschen mit Demenz (MmD) erleben ihre Krankheit nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit ihren individuellen, Lebensrealitäten, wie Geschlecht, soziale Lage, Bildung, sexuelle Orientierung, Migrationserfahrung, Vorerkrankungen (Multimorbidität), Behinderung. Diese Merkmale überlagern sich und beeinflussen wesentlich, wie (und ob) Menschen Zugang zu Unterstützung haben und/oder wie vorhandene Angebote in Anspruch genommen werden. Der Vortrag führt in diese komplexe, aber immer wichtiger werdende Thematik der «Intersektionalität» ein, klärt den Begriff und zeigt anhand aktueller Forschung und Praxisbeispielen, in welchen Situationen ein intersektionaler Ansatz dabei unterstützen kann, Versorgungsgerechtigkeit zu fördern und Diskriminierung abzubauen.